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05.02.2025

„Eure Liebe macht mich reich“ – Erinnerungen an den Hamburger Musiker Conrad Löwenherz

Schwarz-weiß Foto: Vier Männer in Anzügen mit Fliege, vor ihnen Instrumente, auf der Basstrommel steht Kapelle Willi Nieting
Conrad Löwenherz, 3. von links, als Mitglied der Kapelle Willi Nieting, 1930

Unterlagen aus der Familie Löwenherz sind an die KZ-Gedenkstätte Neuengamme übergeben worden. Ein Teil ist nun im Geschichtsort Stadthaus einsehbar.

Erinnerungsstücke

Im Juli 1943 starb der Hamburger Musiker Conrad Löwenherz im KZ Auschwitz. Jahrzehntelang verwahrte seine Familie Erinnerungsstücke an ihn und seine Geschwister – darunter Briefe, Fotos, Tage- und Skizzenbücher und Partituren von Kompositionen. Im letzten Jahr übergaben seine Enkelinnen Helga und Vera Grabe einen Teil dieser bedeutsamen Sammlung dem Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Ausgewählte Dokumente und Fotos sind nun in einer Memory Box im Geschichtsort Stadthaus öffentlich einsehbar.

Conrad Löwenherz

Conrad Löwenherz (geb. 1896) hatte im Ersten Weltkrieg als Kriegsfreiwilliger gedient. Bei einem Fronteinsatz in Frankreich erlitt er 1916 einen Kopfschuss und verlor sein rechtes Auge. In den 1920er-Jahren verfasste er eigene Bühnenstücke und Gedichte. In seinen Werken, die er teilweise auf Plattdeutsch verfasste, brachte er sein Heimat- und Verbundenheitsgefühl zum Ausdruck. 1924 machte Conrad Löwenherz sich als Musiker selbstständig und spielte in verschiedenen Musikkapellen – Schlagzeug, Trompete, Violine und Gitarre. 1936 schloss ihn die Reichmusikkammer aufgrund seiner jüdischen Herkunft aus, er durfte nicht länger öffentlich auftreten.

Wohl am 27. Februar 1943 wurde er verhaftet und im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert – vermutlich aus rassepolitischen Gründen. Nach seiner Verhaftung sprach er seinen Angehörigen in Briefen Mut zu:

„Ich selbst bin gesund und ertrage alles mit großer Ruhe, weil ich in Gedanken mit Euch allen weiterlebe und Eure Liebe immer um mich fühle. Ich hoffe auch immer fest, Euch alle bald gesund wiederzusehen.“

Er bat seine Frau, bei der Gestapo im Stadthaus vorstellig zu werden, um seine Freilassung zu erwirken. Dies misslang. Am 6. Mai 1943 wurde Conrad Löwenherz aus dem Polizeigefängnis Fuhlsbüttel über den Hannoverschen Bahnhof ins KZ Auschwitz deportiert.

Angesichts seiner bevorstehenden Deportation verfasste er für seine Ehefrau und die drei gemeinsamen Kinder noch zwei Abschiedsgedichte, die die Familie mit seinem letzten Brief aus Fuhlsbüttel erhielt:

„Und wenn ich von Euch scheiden muß,
macht Eure Lieb mich reich!
Am Himmel jeder Stern ist Gruß
Und heißer Wunsch für Euch!“

Dokumenten aus dem KZ Auschwitz zufolge starb Conrad Löwenherz dort am 13. Juli 1943.

Familie Löwenherz

Conrad Löwenherz‘ Bruder Bernhard (geb. 1895) und seine Schwester Bertha (geb. 1898) überlebten die nationalsozialistische Verfolgung ebenfalls nicht. Sie wurden am 19. Juli 1942 über den Hannoverschen Bahnhof in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Bertha Löwenherz wurde von dort am 29. Januar 1943 nach Auschwitz verschleppt. Ihr genaues Todesdatum ist unbekannt. Bernhard Löwenherz starb am 15. Mai 1943 im Ghetto Theresienstadt. Seine Skizzen-und Tagebücher aus dem Ersten Weltkrieg sind auch Teil der nun übergebenen Sammlung.

Der älteste Bruder Adolf Löwenherz (geb. 1893) überlebte als einziger der Geschwister. Seiner Familie und ihm gelang 1938 die Ausreise nach Kolumbien, wo er selbst als Musiker und Komponist arbeitete.