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29.07.2026

"Das letzte Ghetto": Buchvorstellung im Geschichtsort Stadthaus

Die Lesung von Anna Hájková im Geschichtsort Stadthaus

Im Juli stellte die Historikerin Dr. Anna Hájková die deutschsprachige Ausgabe ihres Buches „Das letzte Ghetto. Eine Alltagsgeschichte von Theresienstadt“ vor. Das Ghetto Theresienstadt war das letzte Lager des nationalsozialistischen KZ-Systems, das am 9. Mai 1945 durch die Rote Armee befreit wurde.

Es gab insgesamt 11 Deportationen aus Hamburg in das Ghetto Theresienstadt. Die letzte erfolgte am 14. Februar 1945. Behörden verschleppten insgesamt etwa 2500 Jüdinnen und Juden aus Hamburg und Norddeutschland nach Theresienstadt.

Die Historikerin Dr. Anna Hájková (University of Warwick/Großbritannien) hat für ihr Buch umfangreich recherchiert: Sie besuchte über 90 Archive und reiste in 10 verschiedene Länder. Das Werk, das 2020 zunächst auf Englisch erschien und inzwischen auch auf Deutsch vorliegt, beleuchtet die sozialen Hierarchien, das Zusammenleben und den Alltag der Häftlinge unter Hunger, Angst und Gewalt. Dabei greift Hájková unter anderem auf die Biografie der Hamburgerin Martha Glass zurück, die ihre Erlebnisse in einem Tagebuch festhielt.

Im Rahmen der Ausstellung „Ganz Hamburg ist voll von diesen Abtransporten“ stellte Hájková ihr Buch im Gespräch mit Dr. Kristina Vagt (denk.mal Hannoverscher Bahnhof) vor. Sie erläuterte, wie ethnische Zugehörigkeit, Alter und Geschlecht das Leben im Ghetto prägten. Während ältere Menschen besonders unter den unmenschlichen Lebensbedingungen litten, da sie nur selten eine der überlebensnotwendigen Arbeitsstellen bekamen und damit vor allem dem Hungertod und Krankheiten ausgesetzt waren, wurden gerade viele jüngere Häftlinge in Vernichtungslager wie Auschwitz deportiert. Auch die Bedeutung von Geschlechterrollen in der Lagergesellschaft von Theresienstadt nimmt die Autorin in den Blick. Besonders beleuchtet sie die Beziehung zwischen der Hamburgerin Esther Bauer, geborene Jonas, und Hanuš Leiner. Durch diese Verbindung erhielt Esther Jonas unter anderem Zugang zu bestimmten Privilegien, beispielsweise zu Theaterkarten. Anhand zahlreicher Zeichnungen und Einzelschicksale verdeutlicht Hájková so die sozialen Unterschiede innerhalb der Lagergesellschaft.

In der anschließenden Fragerunde sprach Hájková mit dem Publikum über die Handlungsspielräume der Inhaftierten in Theresienstadt, die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen, die Rolle der jüdischen Selbstverwaltung sowie den Einfluss von Geschlecht auf die Überlebenschancen im Ghetto. Mit ihrem Buch, so sagt die Autorin, wolle sie einen verständlichen Überblick über das Schicksal der nach Theresienstadt deportierten Menschen schaffen.

Das Buch von Dr. Anna Hájková erschien unter dem Titel Das letzte Ghetto. Eine Alltagsgeschichte von Theresienstadt im transcript Verlag und kann für 35,00 Euro erworben werden.

 

Das Buch "Das letzte Ghetto. Eine Alltagsgeschichte von Theresienstadt“
Anna Hájková signiert Bücher