81. Jahrestag der Befreiung
Zur zentralen Gedenkveranstaltung am Sonntag, den 3. Mai 2026 in den ehemaligen Walther-Werken in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme waren alle Plätze waren belegt, als Oliver von Wrochem die Gäste begrüßte.
Er betonte, dass in einer Zeit der gesellschaftlichen Polarisierung es für Gedenkstätten wichtiger denn je ist, mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Gruppen und Institutionen zusammenzuarbeiten, die für eine grund- und menschenrechtlichen Orientierung unserer Gesellschaft und gegen Geschichtsrevisionismus, Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus kämpfen. Auch die familiäre und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Ursachen, Formen und Folgen der NS-Gewalt sei in der heutigen Situation von zentraler Bedeutung.
Die Präsidentin der Bürgerschaft, Carola Veit, und Maria Bering als Vertreterin des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sprachen Grußworte, bevor Judith Jägermann (geb. 1929) sich mit einem Video an die Teilnehmenden der Gedenkveranstaltung wandte, in dem sie von ihrer Verfolgungsgeschichte durch das nationalsozialistisches Regime berichtete. Aus dem Ghetto Theresienstadt wurde sie in Außenlager des KZ Neuengamme deportiert und im KZ Bergen-Belsen befreit. "Wir waren alle todkrank und viele sind gestorben. Aber wir drei sind am Leben geblieben. Ich danke Gott dafür."
Nach dem "Le Chant de Partisans" sprach Katrin Duerinckx, Vorstandsmitglied der Amicale Belge de Neuengamme und der NCPGR Meensel Kiezegem ´44 über ihren Großvater Ferdinand Duerinckx, der im Alter von 34 Jahren im KZ Neuengamme starb.
Abschließend wurde "Die Moorsoldaten" von vielen Personen im Raum mitgesungen. Musikalisch hatte die Staatliche Jugendmusikschule die Veranstaltung begleitet.
Programm und Reden der Gedenkveranstaltung (DE)
Programme and Speeches for the Commemoration Ceremony (EN)
Programme et discours de la commémoration (FR)
Programma en toespraken van de herdenkingsbijeenkomst (NL)
Program i przemówienia uroczystości (PL)
Programa y discursos del Acto Conmemorativo (ESP)
Програма та виступи пам'ятного заходу (UKR)
Die Gedenkveranstaltung endete mit einer Kranzzeremonie am ehemaligen Arrestbunker.
Ort der Verbundenheit und Memory Matters
Schon am Samstag, 2. Mai 2026 stellten unter dem Motto „Memory Matters“ verschiedene zivilgesellschaftliche Initiativen ihre Projekte für vielfältiges Erinnern vor, darunter waren Theater- und Musikstücke, Gespräche, eine szenische Lesung, Akrobatik und Interviews.
In diesem Rahmen wurde die neue Ausstellung des „Hilfsnetzwerk für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine“, dem 47 Gedenkstätten, Stiftungen und Erinnerungsinitiativen angehören, eröffnet: "Vielleicht erlebe ich den Frieden noch" portraitiert 10 Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine. Die Einnahmen aus dem Café, das der Arbeitskreis Kirchliche Gedenkstättenarbeit an diesem Tag bereitstellte, gingen als Spende an das Hilfsnetzwerk.
Am Vormittag druckten Angehörige am „Ort der Verbundenheit“ individuelle Plakate in Erinnerung an ehemalige Häftlinge. Bei der Präsentation ihrer Plakate im ehemaligen Klinkerwerk teilten Angehörige ihre Familiengeschichten. Magdalena Wajsen, Enkelin von Kazimierz Wajsen, einem polnischen ehemaligen Häftling und Jacques Durif, Sohn des französischen ehemaligen Häftlings, Louis Durif, sprachen über die Bedeutung der Erinnerung. Jiahe Liu begleitete die Veranstaltung auf dem Saxophon. Zum emotionalen Abschluss hielten Angehörige, die aus verschiedenen Ländern, darunter Belgien, die Niederlande, Frankreich, Spanien und die Ukraine, angereist waren, die Druckplatten in die Höhe und nannten die Namen ihrer im KZ inhaftierten Familienmitglieder. Anschließend wurde gemeinsam plakatiert.
Reden Speeches Discours Toespraak Przemówienie Discurso Промова
Gespräche mit Zeitzeuginnen und Angehörigen von NS-Verfolgten
Am Montag, den 4. Mai 2026 kamen Schulklassen zu öffentlichen Gespräche mit zwei Überlebenden des KZ Neuengamme und vier Angehörigen von NS-Verfolgten in die KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Helga Melmed (Venice, Florida) überlebte die KZ Auschwitz, Außenlager des KZ Neuengamme und das KZ Bergen-Belsen. Barbara Piotrowska (Warschau, Polen) und ihre Eltern wurden nach dem Warschauer Aufstand in das KZ Neuengamme deportiert. Martin Liebl (Prag, Tschechien) und Peter und Moira Hart (Wheathampstead, United Kingdom) sprachen über ihre Mütter Dagmar Lieblová (1929-2018) und Kitty Hart-Moxon (geb. 1926). Beide waren unter den wenigen Überlebenden ihrer jüdischen Familien. Kristof Van Mierop (Dudzele, Belgien) sprach über seinen Großvater Roger Vyvey, der als Häftling die Bombardierung der Häftlingsschiffe in der Lübecker Bucht überlebte.
Am Abend in der Patriotischen Gesellschaft sprach Ulrike Jensen (KZ-Gedenkstätte Neuengamme) über die Weitergabe der Erinnerung mit Titti Fränkel und Nina Halden Rönnlund aus Schweden, deren Mütter Livia Fränkel (1927–2025) und Mira Teeman (1926–2008) mit ihren jüdischen Familien aus Ungarn und Polen in nationalsozialistische Vernichtungslager deportiert wurden, überlebten und nach Schweden auswanderten, um ein neues Leben zu beginnen.
Neustadt
Vor der Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an den 81. Jahrestag der Bombardierung der KZ-Schiffe in der Neustädter Bucht konnten sowohl Angehörige als auch Interessierte Schifffahrten zu den Untergangsstellen der KZ-Schiffe unternehmen.
Am Vormittag des 3. Mai fand die internationale Gedenkveranstaltung am Cap Arcona-Ehrenfriedhof Neustadt in Holstein statt. Es sprachen Martine Letterie, Präsidentin der Amicale Internationale KZ Neuengamme, Philippe Cosnay, Präsident der Amicale française de Neuengamme et de ses Kommandos, sowie Heinrich-Anton Holtfester, Bürgervorsteher von Neustadt und Eka von Kalben, Vizepräsidentin des Landtags von Schleswig-Holstein. Schüler*innen des Küstengymnasiums Neustedt und ein Chor aus Neustädter Schüler*innen begleiteten die Veranstaltung.
Am Vormittag des 4. Mai fand dann in Neustadt in Holstein ein öffentlicher „Marktplatz der Erinnerungen“ statt. An verschiedenen Ständen wurden Projektergebnisse verschiedener Neustädter Schulen präsentiert, die im Vorfeld zu den Gedenktagen erarbeitet wurden. Zum anderen stellten demokratiefördernde Vereine, Verbände und Einrichtungen ihre Angebote vor. Die Veranstaltungen in Neustadt waren von der Amicale Internationale KZ Neuengamme und der Stadt Neustadt in Holstein organisiert.
Weitere Veranstaltungen
Am 6. Mai sprach Helga Melmed in der Hamburgischen Bürgerschaft anlässlich der Feierstunde zum Gedenken an die Befreienden und Befreiten des 8. Mai 1945. Rede
Weitere Veranstaltungen 2026 an unseren und weiteren Orten finden sich auf der hamburgweiten Veranstaltungswebseite Gedenken an Kriegsende und Befreiung im Mai 1945 | Mahnmal St. Nikolai