Persönlicher Gegenstand eines NS-Verfolgten kehrt zurück
Die Familie war eigens aus Belgien angereist. Die Rückgabe erfolgte im Rahmen der Initiative #StolenMemory der Arolsen Archives, die zum Ziel hat, persönliche Gegenstände von NS-Verfolgten an ihre Angehörigen zurück zu geben. Viele internationale Freiwillige helfen dabei. Eine konnte die Familie von Czesław Drozdzyniak ausfindig machen.
Die Geschichte von Czesław ist in der Familie sehr gut dokumentiert. Familie Drozdzyniak war mit zahlreichen Fotos und Dokumenten, wie beispielsweise Arbeitsausweisen, einem Prämienschein aus dem Konzentrationslager Neuengamme oder Nachweisen der Zugehörigkeit zu Widerstandsgruppen angereist. Herzstück der Unterlagen ist ein detaillierter Bericht über Verhaftung und Befreiung: Czesław hat ihn handschriftlich im Mai 1945 kurz nach seiner Ankunft in der Heimat verfasst. Dieser Zeitzeugenbericht stellt sowohl für die Familie als auch für die KZ-Gedenkstätte Neuengamme und die Arolsen Archives eine wichtige Wissensquelle zum Schicksal von Czesław Drozdzyniak dar.
Die Geschichte von Czesław Drozdzyniak
Czesław Drozdzyniak wurde am 20. Juli 1922 in Chorzemin in Polen geboren. Die Familie emigrierte nach Waterschei in die Provinz Limburg in Belgien, weil der Vater im dortigen Steinkohlebergwerk Arbeit fand. Dort studierte Czesław Drozdzyniak, änderte seinen Vornamen zu César und war schließlich im Widerstand gegen die deutschen Besatzer aktiv. Am 2. August 1944 wurde er verhaftet und im Gefängnis Hasselt interniert. Vom Polizeihaftlager Breendonk wurde er am 2. September 1944 in das Konzentrationslager Neuengamme verschleppt. Er wurde als belgischer Häftling mit der Nummer 44500 im KZ Neuengamme registriert. César/Czesław wurde gegen Ende des Krieges auf einen Räumungsmarsch ins Außenlager Wöbbelin bei Ludwigslust geschickt. Dort befreien ihn am 2. Mai 1945 Einheiten der britischen und US-amerikanischen Armeen. Am 18. Mai 1945 kam er, schwer erkrankt, wieder in seinem Heimatort Waterschei an. Anschließend hielt er sich im Repatriierungscenter Lembeek auf. Nur wenige Monate später, am 14. Oktober 1945, verstarb er in seinem Heimatort.
Letztes Jahr gelang es Yarden Lenga, einer der Freiwilligen, die für #StolenMemory tätig sind, den Neffen von C. Drozdzyniak in Belgien ausfindig zu machen. Michel Drozdzyniak hat sich gewünscht, den Ring seines Onkels in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zu erhalten. Am 27. September 2025 besuchte die Familie im Rahmen der Rückgabe des Ringes erstmals die Gedenkstätte.
#StolenMemory
Armbanduhren und Eheringe, Briefe und Fotos: Die Nationalsozialisten nahmen den Menschen in den Konzentrationslagern all ihre persönlichen Gegenstände ab. Die Arolsen Archives verwahren noch etwa 2.000 Gegenstände – sogenannte Effekten – die darauf warten, an die Nachkommen zurückgegeben zu werden. Viele dieser verbleibenden Gegenstände wurden ehemaligen Häftlingen des Konzentrationslagers Neuengamme abgenommen und von der SS in der Effektenkammer im KZ Neuengamme verwahrt, darunter auch der Ring von Czesław Drozdzyniak.
Nachdem im Juni dieses Jahres bereits die #StolenMemory-Wanderausstellung in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme gezeigt wurde, fand nun diese besondere Übergabe an die Familie in der Gedenkstätte statt. Weitere Effekten ehemaliger Häftlinge werden in der Hauptausstellung gezeigt und warten auf mögliche Rückgabe.