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27.07.2025

Neues Forschungsprojekt: Die Geschichte der Hamburger Feuerwehren im Nationalsozialismus

Andreas Strippel steht auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Im Hintergrund sind eine grüne Wiese und Bäume zu sehen. und
Andreas Strippel

Seit Anfang Juni forscht Dr. Andreas Strippel zur Geschichte der Hamburger Feuerwehr – die Ergebnisse werden in einer Wanderausstellung publik gemacht.

Am 1. Juni 2025 begann bei der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte ein zweijähriges Forschungsprojekt zur Geschichte der Hamburger Feuerwehr im Nationalsozialismus. Die Finanzierung erfolgt durch die Feuerwehr Hamburg.

Geschichte der Hamburger Feuerwehren 1933 bis 1945

Ab 1933 erfolgte eine schrittweise Anpassung der Feuerwehren an den nationalsozialistischen Staat. Personelle Umstrukturierungen und Neuausrichtungen sollten die Feuerwehr in die NS-Volksgemeinschaft integrieren. Ähnlich wie in anderen staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen kam es zu Entlassungen; Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, die als nicht zur NS-Volksgemeinschaft zugehörig betrachtet wurden, wurden vor Inkrafttreten entsprechender staatlicher Maßnahmen aussortiert.

Die Feuerwehr übernahm zudem eine zentrale Rolle im Luftschutz und wurde zunehmend Teil der Kriegsvorbereitungen. Während der Novemberpogrome 1938 beobachtete sie – ohne dagegen einzugreifen – das Niederbrennen von Synagogen und verhinderte lediglich eine Ausbreitung der Brände auf benachbarte Gebäude.

Ab 1938 wurden die Berufsfeuerwehren in Hamburg der Ordnungspolizei unterstellt und als „Feuerschutzpolizei“ eingesetzt, während Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr als Hilfspolizisten dienten. Damit wurde die Feuerwehr Teil des Repressionsapparates unter der Leitung Heinrich Himmlers. Führende Feuerwehrangehörige traten in die SS ein. Im Zweiten Weltkrieg waren Hamburger Feuerwehrleute neben ihrer Tätigkeit im Luftschutz auch in Feuerwehrpolizei-Regimentern in den besetzten Gebieten Europas aktiv.

Wanderausstellung 2027

Das Projekt untersucht die Handlungsspielräume und Zwänge von Feuerwehrangehörigen im Nationalsozialismus sowie die sozialen Hintergründe und Motivationen, die zur Beteiligung auch vermeintlich unpolitischer Personen am Regime führten. Darüber hinaus werden die Einbindung von Jugendlichen und Frauen im Brandschutz während des Krieges sowie die Beteiligung von Feuerwehrleuten an nationalsozialistischen Verbrechen thematisiert. Die Ergebnisse sollen im Herbst 2027 in einer Wanderausstellung der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Projektmitarbeiter

Das Forschungsprojekt wird von Dr. Andreas Strippel geleitet. Er beschäftigt sich mit der Geschichte von Polizei und Wehrmacht im Nationalsozialismus. Andreas Strippel ist seit 2013 freier Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und war darüber hinaus an Bildungsprojekten der Gedenkstätte Bergen-Belsen und der Stiftung Adam Trott beteiligt und hat u.a. Bildungsmaterialien entwickelt.