Zurück zur Übersicht
08.09.2025

Neue Publikation über Deportationen aus Frankreich in das KZ Neuengamme

Buch "Repressionspolitik und Deportationspraxis im besetzten Frankreich 1940–1944" steht auf Klinkersteinen
Buch "Repressionspolitik und Deportationspraxis im besetzten Frankreich 1940–1944"

Der elfte Band der Neuengammer Kolloquien trägt den Titel „Repressionspolitik und Deportationspraxis im besetzten Frankreich 1940–1944. Akteure, Feindbilder, Verfolgtengruppen“. In ihrer Dissertation widmet sich Christine Eckel einem zentralen Element deutscher Besatzungspolitik.

In Frankreich richteten sich Deportationsmaßnahmen zwischen 1941 und 1944 zum einen gegen die jüdische Bevölkerung, aber auch über 76.000 nichtjüdische Männer und Frauen waren von ihnen betroffen. Diese zweite Gruppe, die in der deutschen Forschung bisher wenig Beachtung findet, steht im Zentrum des Buches.

Die Autorin untersucht in fünf Kapiteln die Entwicklung der Repressionspolitik und Deportationspraxis in Frankreich. Vor dem Hintergrund sowohl der deutschen als auch der französischen Forschungslage nimmt sie insbesondere zwei Fragen in den Blick: In welchem Verhältnis standen bei der Planung und Umsetzung der Maßnahmen die deutschen Besatzungsstellen und das kollaborierende Vichy-Regime? Wie wirkte sich das expandierende KZ-System mit seinem wachsenden Arbeitskräftebedarf auf die Besatzungsstrukturen und konkrete Verfolgungsmaßnahmen wie die Deportationen aus?

An ausgewählten Fallbeispielen, vor allem aus der Auvergne, der Bretagne, Marseille und Paris, werden Aushandlungsprozesse und Konflikte zwischen den an der Repression beteiligten deutschen und französischen Akteursgruppen analysiert. Weiterhin werden die Hintergründe der Verhaftungen und die Vielfalt der davon betroffenen Gruppen vorgestellt. Sie umfassten u.a. die gezielte Verhaftung von Widerstandskämpfer*innen, die Verhaftung von unterschiedlichsten Menschen im Rahmen von breiten Razzien, z.B. als „Vergeltungsmaßnahme“ nach Attentaten, sowie in der letzten Kriegsphase die Leerung deutscher und französischer Haftanstalten.

Ein Fokus liegt auf der Deportation in das KZ Neuengamme, das ein Hauptzielort der Transporte nichtjüdischer Menschen aus Frankreich war. Während in den ersten Jahren nur kleinere Gruppen oder Einzelpersonen aus Frankreich nach Neuengamme überstellt wurden, erreichte der Großteil der über 11.500 Häftlinge aus Frankreich in fünf Massentransporten 1944 das Lager. Anhand von biografischen Fallbeispielen wird die Bandbreite der Deportationspraxis verdeutlicht. Ein Personenregister ergänzt den Band.

Die Reihe „Neuengammer Kolloquien“ präsentiert seit 2010 aktuelle Forschungen, die mit dem Konzentrationslager Neuengamme, seiner Nachgeschichte und mit Fragen von Bildung und Erinnerung verbunden sind. Die Reihe erscheint im Metropol Verlag.

Die Publikation ist über den Buchhandel und in unserem Shop erhältlich.

Cover der Publikation "Repressionspolitik und Deportationspraxis im besetzten Frankreich 1940–1944" mit dem Titel auf blauem Hintergrund
Publikation "Repressionspolitik und Deportationspraxis im besetzten Frankreich 1940–1944"