Zurück zur Übersicht
25.02.2026

Neue Bildungsmaterialien zur Geschichte und Erinnerung an NS-Verfolgte aus Polen und der Sowjetunion

Postkarte mit einem Auszug aus einer Nachricht der zivilen Zwangsarbeiterin Marija Iwanowna Nedelko, deren Lebensweg im Studienheft vorgestellt wird

Die kokreativ erarbeiteten Materialien bieten eine Grundlage, um Wissen über den bis heute kaum bekannten nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungskrieg im östlichen Europa und die NS-Verfolgten aus Polen und der Sowjetunion zu vermitteln. Zugleich hinterfragen sie gängige erinnerungskulturelle Narrative und eröffnen vielfältige Perspektiven auf die Erinnerungskultur in der deutschen Migrationsgesellschaft.

Das Studienheft

Das Ende 2025 fertiggestellte, zweibändige „Neuengammer Studienheft“ 6 bietet vielfältige Materialien für die historisch-politische Bildungsarbeit zur Geschichte und Erinnerung an Menschen aus Polen und der Sowjetunion, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Der Schwerpunkt liegt auf Menschen, die im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialist*innen aus dem östlichen Europa in verschiedene Lager in Nordwestdeutschland verschleppt wurden – als Kriegsgefangene, zur zivilen Zwangsarbeit oder in KZ-Haft. Um diesen Verfolgungsgeschichten einen historischen Rahmen zu geben, wird der Blick auch auf das das Geschehen im östlichen Europa gerichtet: Sowohl die Themenbereiche Kriegsführung und Besatzungspolitik in Polen und der Sowjetunion als auch die Nachgeschichte und Erinnerung in Polen und den (post-)sowjetischen Staaten werden behandelt.

Das Studienheft beinhaltet einführende Texte, didaktische Hinweise, Quellen, Aufgaben und Biografien sowie Hintergrundinformationen u. a. in Form von Kontext- und Info-Boxen und einem Glossar. Es ist gedacht für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit mit Schüler*innen ab der Oberstufe sowie mit Erwachsenengruppen. Es eignet sich insbesondere für die Arbeit zu bzw. an den exemplarisch behandelten Orten in Norddeutschland: Neben der KZ-Gedenkstatte Neuengamme gehören dazu die Gedenkstätte Lager Sandbostel und der Denkort Bunker Valentin.

Die Projektgruppe

Die Materialien wurden von einer Projektgruppe von fünfzehn Personen erstellt, die neben Expertise im Themenfeld zum überwiegenden Teil eine ost- bzw. mitteleuropäische Herkunfts- bzw. Familiengeschichte mitbringen und das Konzept wie auch die inhaltlichen Schwerpunkte gemeinsam erarbeitet haben. Ziel der Materialien ist es damit nicht nur, Wissen über den bis heute kaum bekannten nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungskrieg im östlichen Europa und die Schicksale von NS-Verfolgten aus Polen und der Sowjetunion zu vermitteln; sie eröffnen zugleich auch vielfältige Perspektiven auf Erinnerungskulturen in der deutschen Migrationsgesellschaft und hinterfragen gängige Narrative der mehrheitsgesellschaftlichen Erinnerungskultur sowie damit verbundene Annahmen hinsichtlich relevanter Sprechpositionen.

Das Projekt zur Erarbeitung der Bildungsmaterialien wurde in Kooperation mit der Landeszentrale der politischen Bildung Hamburg durchgeführt und gefördert vom Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme e. V. sowie der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Pädagogische Begleitung

Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme bietet Multiplikator*innen-Fortbildungen, Themenrundgänge sowie Studientage und zweitägige Seminare zu den vorliegenden Bildungsmaterialien an. Die buchbaren Angebote sind geeignet für Gruppen von Jugendlichen ab 16 Jahren sowie Erwachsenengruppen und beziehen sich schwerpunktmäßig auf die Kapitel des Studienhefts, die sich mit polnischen und sowjetischen Gefangenen im Konzentrationslager Neuengamme befassen, sowie auf die Kapitel, die sich mit Fragen der Erinnerungskultur befassen.

Bei Interesse an einem der Bildungsangebote wenden Sie sich bitte an Dr. Susann Lewerenz (Tel. (040) 428 131 515)

Bestellen

Leerstellen aufzeigen – Perspektiven öffnen: Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter*innen und KZ-Häftlinge aus Polen und der Sowjetunion in Norddeutschland. Materialien für die historisch-politische Bildungsarbeit, Neuengammer Studienhefte 6, hg. von der KZ-Gedenkstatte Neuengamme in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und mit Förderung des Freundeskreises KZ-Gedenkstätte Neuengamme e. V., Hamburg 12/2025, 2 Bände, insg. 309 Seiten.

Das zweibändige Studienheft 6 kann für 5,- Euro über den Webshop der KZ-Gedenkstätte Neuengamme bestellt werden: Shop

Titelbild von Heft 2 des Neuengammer Studienhefts 6