Mit Augen von heute – NS-Zwangsarbeit im Hamburger Hafen
St. Pauli ist ein vielfältiger Ort: Die Reeperbahn, das Millerntorstadion und der Hafen, auch bekannt als „Tor zur Welt“. Heutzutage steht der Hafen für Fortschritt, freien Handel und Wohlstand. Im Nationalsozialismus war der Hafen jedoch ein Ort von Ausbeutung, Willkür, Leid und Tod. Etwa eine halbe Million Menschen mussten im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiter*innen in Hamburg schuften, ein Großteil davon im Hafengebiet, dem Dreh- und Angelpunkt der Hamburger Kriegswirtschaft.
Daran wollten Philipp Kremer und Hajo Eick mit ihrer Ausstellung in der Millerntorwache erinnern. Sie entwickelten die Ausstellung im Rahmen ihres Freiwilligen Sozialen Jahres in der Alfred Toepfer Stiftung und der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte.
Als Philipp und Hajo im September 2024 ihr Freiwilliges soziales Jahr (FSJ) begonnen haben, war ihnen der Begriff „FSJ-Projekt“ zu Anfang eher unklar. Die Möglichkeiten waren vielfältiger als zunächst gedacht. Bei einem Seminar für die Hamburger Freiwilligen im Dezember entstand die Idee eines einsatzstellenübergreifenden FSJ-Projekts.
Die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. nutzt die Millerntorwache als Ort für künstlerisch-kulturelle Projekte. Warum nicht dort zusammen eine Ausstellung machen? Für Philipp und Hajo eine spannende Idee. Das Thema war dann schneller gefunden, als gedacht: NS-Zwangsarbeit im Hamburger Hafen. Wer waren die Frauen und Männer, die aus vielen Ländern zur Zwangsarbeit in den Hamburger Hafen verschleppt worden waren? Was erlebten sie dort, wie sah ihr Alltag aus? Und wer begegnete ihnen bei der Zwangsarbeit? Wie standen die Hafenarbeiter, Werftarbeiter und Seeleute zum Nationalsozialismus?
Philipp und Hajo machten sich auf die Suche nach Büchern und Unterlagen aus den Archiven und Sammlungen der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte. Sie fanden spannende Texte, Fotos und Forschungsergebnisse von Historiker*innen wie Herbert Diercks, der ihnen erlaubte, viele seiner Texte für die Ausstellung zu übernehmen. Manches recherchierten Philipp und Hajo aber auch selbst, etwa die Biografie des Seemanns Hermann Kühl, dessen Tochter Philipp bei seinem Engagement für den Ort der Verbundenheit kennengelernt hatte.
Die beiden FSJler haben die Ausstellung nicht nur selbst kuratiert, sondern auch die Gestaltung selbst übernommen.
„Es hat Spaß gemacht, sich Stück für Stück diese Ausstellung zu erarbeiten und am Ende das fertige Produkt im Raum aufgehangen zu sehen“, sagen die beiden Freiwilligen über ihr Projekt, „teilweise war es aber auch herausfordernd, da, hauptsächlich bei den Bildern, Rechte und Bilder häufig nicht im selben Archiv lagen und man viel suchen musste, bis man beides hatte. Im Großen und Ganzen war es aber eine gute Zusammenarbeit mit einem schönen Endergebnis, welches jetzt durch die Ausstellung in einer gewissen Weise gekrönt wird. Abschließend können wir ermutigende Worte an mögliche Interessenten eines ähnlichen Projekts richten: Es lohnt sich!“
Die Ausstellung wurde im August 2025 in der Millerntorwache gezeigt und kann nun online abgerufen werden:
Alle Ausstellungstafeln (pdf)