Künstliche Intelligenz hilft bei der Erschließung von Erinnerungsberichten im Archiv
Erinnerungsberichte
Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme besitzt eine Sammlung von über 2200 unpublizierten Erinnerungsberichten, die eine der wichtigsten Quellen für die historische Forschung zum KZ Neuengamme darstellen. Die SS ließ vor der Räumung des KZ Neuengamme im April 1945 die meisten historischen Dokumente vernichten. Deshalb sind die Berichte überlebender Häftlinge für das Wissen über die Verbrechen im Konzentrationslager von größter Bedeutung.
Ein neuer KI-Assistent ermöglicht individuelle Suche
Nun wurde der gesamte Bestand an Erinnerungsberichten digitalisiert, Handschriften wurden automatisch transkribiert. Der neue KI-Assistent ermöglicht neben einer Volltextsuche und einer Suche nach Schlagworten erstmals eine individualisierte semantische Suche. Die Suche ist also nicht auf eine feste Liste von Schlagworten begrenzt. Vielmehr kann jede Forschende das eigene Thema in eigenen Sätzen beschreiben, um dann auf die passenden Erinnerungsberichte hingewiesen zu werden. Das Archiv der Gedenkstätte kann mit dem neuen technischen Instrument spezielle Anfragen viel detaillierter als zuvor beantworten.
Dieser Einsatz von Künstlicher Intelligenz als Archivwerkzeug liefert eine Auswahl an Quellen, keine Aussagen über die Geschichte. Das heißt, die historische Auswertung bleibt bei den Expert*innen. Ziel des Projektes ist es, mit diesem KI-Portal Historiker*innen, Schüler*innen, Studierenden und anderen Forschenden eine passende Auswahl an Quellen für die weitere Forschungsarbeit zur Verfügung zu stellen. Das Portal ist ein internes archivalisches Hilfsmittel, kein Instrument für die Quellenauswertung.
PD Dr. Karsten Uhl, Leiter der Abteilung Dokumentation und Forschung in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme erläutert: „Wir wollten zeigen, wie Künstliche Intelligenz sinnvoll als Werkzeug für die Archivarbeit eingesetzt werden kann – ohne dass dabei der kritische Verstand zurücktritt. Die Auswertung und Einordnung bleiben beim Menschen. Quellenkritik bleibt zentral für die Analyse der Texte.“
Alexander Bernhardt, Geschäftsführer hauptsache.net ergänzt: „Akten sind stumme Zeitzeugen – bis man anfängt, die richtigen Fragen zu stellen. Unser Ziel war es, historische Überlieferung nicht nur zu bewahren, sondern erkundbar zu machen. Erinnerungsarbeit braucht beides.“
Anfragen
Archivanfragen, auch zu den Erinnerungsberichten ehemaliger Häftlinge, sind bitte an archiv@gedenkstaetten.hamburg.de zu richten.