Nachruf auf Frieda Larsen (geb. Lehing)
Mit Frieda Larsen verlieren wir eine starke, mutige Persönlichkeit und eine unersetzliche Stimme gegen das Vergessen, insbesondere auch gegen die Ausgrenzung und Verfolgung der Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus und ihre anhaltende Diskriminierung und Stigmatisierung in der Gegenwart.
Frieda Larsen wurde 1933 in Rostock geboren. Ihr Vater war Sinto, ihre Mutter eine aus Ostfriesland stammende „Bürgerliche“, wie sie es selbst formulierte. Der Vater besaß einen Textilhandel und die Familie war reisend. In der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre wurde die Familie gezwungen, sich in Hamburg niederzulassen. Dies war für die Familie ein schmerzhafter Einschnitt.
Im Nationalsozialismus waren sie und ihre Familie weiterer tiefgehender antiziganistischer Entrechtung und Verfolgung ausgesetzt. Ihr Vater war zur Zwangsarbeit im Luftschutzdienst im Hamburger Hafen eingesetzt. Frieda erlebte in der Schule Ausgrenzung von Seiten der Lehrkräfte. Die Familie lebte in ständiger lähmender Angst vor der Deportation. Viele ihrer Verwandten und Freund*innen wurden 1940 in das Zwangsarbeitslager Belzec und ab 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt und ermordet. Frieda erlebte die Verhaftungsaktionen hautnah. Diese Verluste von Verwandten und Freundinnen und Freunden prägten Frieda Larsens weiteres Leben. Nach Wochen im Luftschutzbunker erlebte sie die Befreiung im Mai 1945 in Hamburg – im Alter von 12 Jahren.
Nach den schweren Kriegsjahren wollte Frieda Larsen Hamburg verlassen. Ihr Lebensweg führte sie Mitte der 1950er-Jahre nach Schweden und Norwegen, sie heiratete und bekam zwei Kinder. Da ihr Mann zur See fuhr, kehrte die Familie Mitte der 1960er-Jahre nach Hamburg zurück. Sein Tod 2001 traf sie tief.
Trotz oder vielleicht auch wegen der eigenen traumatischen Erfahrungen entschied sich Frieda Larsen, ihr Schweigen zu brechen und die Verfolgungsgeschichte ihrer Familie öffentlich zu machen. Über viele Jahre engagierte sie sich unermüdlich im Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland. Bis vor einigen Jahren fuhr sie noch regelmäßig nach Auschwitz zum Internationalen Tag des Gedenkens an den Genozid an den Sinti und Roma am 2. August, bis dies ihr gesundheitlicher Zustand nicht mehr zuließ.
Sie setzte sich mit viel Kraft für die Entstehung des Gedenkorts und des Dokumentationszentrums „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ ein. Als Mitglied der langjährigen „Expertenrunde“ war sie eine der wichtigsten mahnenden Stimmen, um den Opfern der Deportationen ein würdiges Andenken zu geben. Frieda Larsen vermutete, dass sie die Eröffnung des Dokumentationszentrums aufgrund der langjährigen Verzögerung nicht mehr miterleben würde. Sie musste leider Recht behalten.
Frieda Larsen ist im Alter von 93 Jahren in Hamburg gestorben. Wir verneigen uns vor ihrer Lebensleistung, ihrer Widerstandskraft und ihrem unermüdlichen Einsatz für Gerechtigkeit und Toleranz. Frieda Larsen hinterlässt eine schmerzhafte Lücke. Unser tiefes Mitgefühl gilt ihren Kindern und Enkelkindern und allen Angehörigen.
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