Aktuelle Entwicklungen zum Dokumentationszentrum denk.mal Hannoverscher Bahnhof
In diesem Aufruf wurden der Investor und die Stadt Hamburg aufgefordert, die Realisierung des Dokumentationszentrum schnellstmöglichst umzusetzen.
Den offenen Brief an den Hamburger Senat und den Investor haben der ehemalige Leiter unserer Stiftung, Prof. Dr. Detlef Garbe, und das Vorstandsmitglied des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland, Marut Perle, initiiert. Der Brief wurde von 44 Personen, die seit Jahrzehnten an der Verwirklichung des Projekts arbeiten, als Erstunterzeichner*innen gezeichnet. Der offene Brief kann weiterhin auf der Seite des Auschwitz-Komitees unterzeichnet werden.
Die Realisierung des Dokumentationszentrums „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ hat eine lange Vorgeschichte. Bereits vor über 20 Jahren begann mit Kolloquien und Werkstattgesprächen ein Beteiligungsprozess zur Planung eines Gedenkortes und Dokumentationszentrums. Seit 2012 wurde die konzeptionelle Entwicklung des Dokumentationszentrums in die Hände unserer Stiftung gelegt, die nach Fertigstellung des Gebäudes auch die Trägerschaft übernehmen soll. Im Jahr 2017 wurde der Gedenkort „denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ mit Namenstafeln der über 8000 aus Hamburg deportierten Jüdinnen und Juden, Sinti*ze und Rom*nja eröffnet. Im gleichen Jahr erfolgte schließlich der Vertragsabschluss zwischen der Stadt Hamburg und dem Investor Harm Müller-Spreer über das für das Dokumentationszentrum vorgesehene Grundstück und dessen Bebauung mit einem Bürogebäude an der Steinschanze. Für das im Erdgeschoss entstehende Dokumentationszentrum wurde ein Dauernutzungsrecht von 200 Jahren vereinbart. Im Jahr 2020 erfolgte der Spatenstich.
Als 2021 bekannt wurde, dass der Investor die oberen sechs Etagen an das Unternehmen Wintershall Dea vermietet hatte, erhoben mehrere Verfolgtenverbände Einwände dagegen. Denn die Vorgängerunternehmen Wintershall und DEA hatten von der nationalsozialistischen Machtübernahme und der Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg profitiert und Zwangsarbeiter*innen ausgebeutet. Es kam zu einem Mediationsverfahren, in dem Müller-Spreer sich verpflichtete ein Solitärgebäude an einem neuen Standort zu errichten. Im März 2023 wurde der Entwurf der Boltshauser Architekten AG aus Zürich als Gewinner des Architekturwettbewerbs bekanntgegeben und die Eröffnung des Gebäudes an der Stockmeyerstraße für 2026 geplant.
Ende 2025 informierte der Senat darüber, dass die Bauplanung des Dokumentationszentrums seit Herbst 2024 stillsteht. Grund dafür sind steuerliche Unstimmigkeiten zwischen der Stadt Hamburg und dem Investor Harm Müller-Spreer. Dadurch ist auch das zuletzt geplante Eröffnungsdatum im Jahr 2027 nicht mehr haltbar.
Vor diesem Hintergrund haben am 27. Januar 2026 insgesamt 44 Personen, die sich schon lange für das Projekt einsetzen und damit verbunden sind, einen eindringlichen Appell an den Ersten Bürgermeister von Hamburg und den Investor gerichtet. Die Unterzeichnenden fordern den Senat und den Ersten Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher dazu auf, Wort zu halten und für eine Realisierung des Dokumentationszentrums zu sorgen. Gleichzeitig appellieren sie an den Investor Harm Müller-Spreer den Schenkungsvertrag zu erfüllen und der Erinnerungskultur in seiner Heimatstadt Hamburg keinen weiteren Schaden zuzufügen.
Der ausführliche Apell und die Möglichkeit zur Unterzeichnung finden sich hier:
Aktuelle Pressebeiträge:
Hamburg: Dokumentationszentrum zur NS-Geschichte wird womöglich nie Realität. Der Spiegel, 27.01.2026
Holocaust Hamburg: Brandbrief zum 27. Januar – Stillstand bei NS-Doku-Zentrum in HafenCity, Hamburger Abendblatt, 26.01.2026
Eklat: Prominente appellieren an den Bürgermeister, sprechen von „Bankrotterklärung“, Hamburger Morgenpost, 26.01.2026
Hannoverscher Bahnhof: Gedenken auf Rechnung, Die Zeit, 26.01.2026
Hamburg Journal: Verzögerung des NS-Doku-Zentrums: Offener Brief übt Kritik, NDR, 26.01.2026
Neue Oper ja, Zentrum für Dokumentation nein? Der Umgang mit dem Holocaust. NDR, 12.01.2026