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02.09.2026

AI-Slop schreibt Geschichte

KI-generiertes Fake-Foto schwarzweiß mit Eingangstor
KI-generiertes Fake-Foto

Welche KI-Fakes gibt es aus Konzentrationslagern auf Facebook und welches Bild vermitteln sie über den Holocaust? Eine quantitative Analyse von Benjamin Possin.

„Mit jedem dieser Postings wird die Arbeit von Gedenkstätten, Archiven, Museen und Forschungseinrichtungen entwertet und ihre Glaubwürdigkeit untergraben“. So drückte es der Offene Brief des Netzwerks Digital History and Memory mit der Forderung nach einem konsequenten Vorgehen gegen KI-generierte Holocaust-Verfälschungen auf Social-Media-Plattformen Anfang des Jahres aus. Seitdem ist das Thema KI-Fakes über Konzentrationslager, die massenhaft auf Social-Media-Plattformen wie Facebook auftauchen, auch im medialen Diskurs rezipiert worden. Doch oft können Gedenkstätten nur von einzelnen Beobachtungen berichten, weil im Arbeitsalltag keine Zeit für eine umfangreiche, strukturierte Auswertung der Massen an sogenanntem AI-Slop bleibt. An dieser Stelle knüpft eine Analyse von Daniel Possin an, die zunächst als Projekt zur internen Dokumentation begonnen hat und dann in eine quantitative Analyse der vermittelten Inhalte übergegangen ist.

Um das Sample zusammenzustellen wurden 100 Beiträge, Fotos und Videos, gesammelt im Zeitraum Anfang Juni bis Anfang August 2026. Der Fokus lag dabei auf der Erhebung von Postings über das KZ Neuengamme. Beiträge wurden anhand formaler Merkmale codiert und inhaltlich wie visuell erfasst und anschließend analysiert. Der entstandene Bericht ist eine Annäherung und zeitgleich eine Diskussionsgrundlage zum Thema KI-Fakes.

Eines der Ergebnisse ist, dass AI-Slop den Holocaust zumeist verklärt darstellt. Die Inhalte sind emotionalisiert, fiktionalisiert und konsumierbar. Die häufigsten Narrative stellen hoffnungsvolle, heroische Geschchten von Befreiung und Solidarität dar. Sie bedienen sich dabei ikonischen Elementen, nutzen Namen real existierender Orte und erschaffen daraus erfundenes Anschauungsmaterial. Die Accounts richten sich zu 99 % an ein englischsprachiges Publikum. Dabei wurden nur 34 % der Beiträge durch die Plattform als KI-generiert gekennzeichnet, bei den Videos nur 16 %. Während die KI-Bilder sich meist eher an historischen Fotos orientieren und vermeintlich dokumentieren, überzeichnen die KI-Videos das Geschehen oft in einer hyperrealistischen Spielfilm-Optik. Die Beiträge bedienen sich dabei auch den Logiken von Gedenkstätten: Einzelschicksalen Raum geben, durch kleine Darstellungen Großes begreifbar machen, zum Handeln und Erinnern aufrufen, lange Texte mit historischem Background ergänzen. Benjamin Possin ruft Gedenkstätten dazu auf, ihre Seriosität und Authentizität vor dieser massiven Konkurrenz nicht aufzugeben, sondern mit Menschlichkeit und evidenzbasiertem Storytelling präsent zu sein.

Bericht AI-Slop schreibt Geschichte